Kleingärtnerverein Kletterrose e.V.

Gemeinnütziger Gartenbau-Verein

Wirtschaftliche Vereinigung ehemaliger Kriegsteilnehmer,

Kriegsbeschädigter und Hinterbliebenen e.V., Köln-Sülz

 

Die Gründung der Vereinigung erfolgte im Jahre 1918 durch den Geheimen Militär-Baurat Josef Schmid und Major von der Heyde.

Zweck und Ziel der Herren war, die entlassenen Kriegsbeschädigten in Gruppen zu sammeln und auf die Vororte von Köln zu verteilen, um ihnen in den schwierigen Verhältnissen der Lebensmittelversorgung so weit wie möglich zu helfen.

Das erste Ziel war die Besorgung von Land und Bruchflächen, die aufgeteilt und zu Kleingärten hergerichtet wurden. Stadtverwaltung und Fiskus stellten so weit wie möglich alles „freie“ Land zur Verfügung und so entstanden tausende und aber tausende Gartenflächen auf Böden, die sonst kein Mensch in Friedenszeiten zu Gartenzwecke hätte in Bearbeitung genommen; und doch war es hier eine große Wohltat für alle Beteiligten. Aus Sandwüsten und alten Ziegelfeldern entstanden Gärten und Gärtchen, die mit Schweiß, großer Mühe und Arbeit hergerichtet wurden. Manche Not ist dadurch gelindert worden.

 

Nachdem überall soweit wie möglich alle mit Land versorgt waren, ging man auch dazu über zu organisieren und Vereine zu bilden, um auch die anderen Interessen der Kriegsgeschädigten zu wahren. Insbesondere handelte es sich um die Kriegsrente, die zu damaliger Zeit noch sehr zu wünschen übrig ließ.

 

Das Ende des Krieges und die Revolution brachten jedoch auch in den einzelnen Gruppen und Vereinen Auflösung und Zwiespalt.

Die Gruppe Sülz, unter der Bezeichnung Wirtschaftliche Vereinigung ehem. Kriegsteilnehmer, Kriegsbeschädigter und Hinterbliebenen e.V., Köln-Sülz, ist der Sache treu geblieben und hat sich mit den besten Erfolgen zum Gartenbauverein emporgearbeitet.

Der erste Vorsitzende von 1918 bis 1919 war Fabrikant Heinrich Herrmanns, Köln-Klettenberg, der jedoch durch längere Krankheit sein Amt 1919 niederlegte.

Als Nachfolger wurde Herr J. W. Pfennings, Köln-Sülz, gewählt. Im Jahre 1922, am 1. August, folgte Herr Pfennings einem Ruf nach auswärts.

An seine Stelle trat der leider allzu früh verstorbene Polizei-Oberkommissar Karl Deumel. Nach Rückkehr Pfennings im Jahre 1923 wurde derselbe in der Hauptversammlung nach 1 3/4jähriger Abwesenheit als erster Vorsitzender wiedergewählt und behielt diesen Posten bis zum Jahre 1930.

Als Vorstandsmitglieder im engeren Vorstand fungierten Schimanowski, Hirsch und Jean Fischer als Kassierer, Deumel und Klüber als stellvertretende Vorsitzende, Sachs und Pöttgen als erste Schriftführer.

 

Segensreiche Arbeit ist in den zwölf Jahren geleistet worden. Nach Kriegsschluss - als es noch an allem mangelte - wurde Heizmaterial, Kartoffeln, Obst usw. beschafft. Außerdem wurden durch die Tätigkeit des 1. Vorsitzenden von einer Anzahl großer Firmen Lebensmittel gestiftet, die unter die bedürftigen Familien verteilt wurden. Gleichfalls konnte der Vorstand alljährlich 20 bis 25 Kinder zu einem halbjährigen Aufenthalt zur Erholung nach Pommern schicken. Bis zum Jahre 1921 zählte die Vereinigung etwa 1200 Mitglieder.

 

Durch die große Bautätigkeit in Sülz musste dann allmählich durch Kündigung eine große Anzahl ihre Gärten aufgeben. Die Mitgliederzahl sank sodann bis auf 100.

Weiter sank die Zahl, als die Stadt das Gelände am Frielsweg kündigte. Die Vereinigung verlor dadurch mit einem Schlag 400 Mitglieder. Der Rest ist dem Kleingarten treu geblieben. Es ist noch eine große Anzahl von Anwärtern auf Dauergärten vorgemerkt.

Das Jahr 1928 brachte uns weiter die Dauerkolonie an Deckstein und die schöne Kolonie an Komar. Die Schwierigkeiten in den zwölf Jahren sollen stillschweigend übergangen werden, da die Erfolge das alles übertroffen haben. Es ist noch zu erwähnen, dass die Vereinigung mit an der Gründung des Verbandes beteiligt und steter Mitarbeiter war.

Der jetzige Vorstand besteht aus den Herren 1. Vorsitzender Josef Hermann, 2. Vorsitzender Jean Klüber, 1. Kassierer Jean Fischer, 2. Kassierer E. Silke, 1. Schriftführer Peter Pöttgen, 2. Schriftführer A. Berresheim.

 

Der bisherige 1. Vorsitzende J.W. Pfennings legte nach zwölfjähriger Tätigkeit als 1. Vorsitzender sein Amt nieder und wurde auf Vorschlag zum Ehrenmitglied ernannt. Als Auszeichnung erhielt die Vereinigung auf der Grünen Messe in Köln im Jahre 1926 das Diplom von der Landwirtschaftskammer für Rheinpreußen.

In Mülheim am Rhein erhielt- Herr Jean Klüber als Aussteller das Ehrendiplom.

Beim zehnjährigen Stiftungsfest am 13. Oktober 1928 erhielt die Vereinigung vom Verband der Gartenbauvereine zu Köln die Bronzene Gedenkmünze mit Ehrenurkunde.

 

Der Krieg verschonte auch die Kleingärten nicht. Spreng- und Brandbomben rissen Trichter und ließen die Bauten in Schutt und Asche fallen. Durch Evakuierung mussten Gärten aufgegeben werden, andere vergrößerten sich dadurch. Von guten Nachbarn musste Abschied genommen werden. Gefallen, bei den Bombenangriffen umgekommen oder kriegsbeschädigt konnten manche trotz Nachbarschaftshilfe nicht weiter machen. In dieser trostlosen Zeit blieb der Garten zur Selbstversorgung für die Familie unersättlich.

Die Kriegsschäden waren zu beheben. In bunter Vielfalt wurde gebaut, die Bruchbude, die romantische Gartenlaube, das feste Steinhaus. Baumaterial lieferten die zerstörten Häuser; Zement und Kalk musste irgendwie organisiert werden.

Durch Zerstörung der Wohnungen bei Bombenangriffen wurden die Gärten häufig zu Notunterkünften. Mancher Gartenfreund empfand das Wohnen im Garten als angenehm, vergrößerte seinen Bau und wohnte dort lange über den Krieg hinaus.

Man hielt zusätzlich Kleinvieh; mancher versuchte auch ein Schwein zu mästen, bis sich die Diebstähle mehrten und die Tiere zu Hause im Hof, auf dem Balkon sicherer waren. Gemüse und Kartoffelabfälle gaben Futter. Der angefallene Mist konnte gut gebraucht werden. Möge uns und unseren Nachkommen diese Zeiten erspart bleiben!

 

Nach dem Krieg hat Herr Severin Müller als 1. Vorsitzender den Verein zu neuen Ufern geführt. Während dieser Zeit wurden die Grundsteine für die heutige Kleingartenanlage gelegt. Schon 1949 wurde in Eigenleistung ein Vereinsheim gebaut und einige Rohre für die Wasserversorgung gelegt.

 

Ein Teilstück wurde in den 60er Jahren von der Stadt Köln saniert und ein neuer Zählerschacht an der Militärringstraße (Veilchenweg) erstellt. Der größte Teil aber war alt.

Nach mündlicher Überlieferung haben viele Gartenfreunde nach dem Kriege die Leitung repariert. Wer ein Stück Rohr hatte, brachte es mit und es wurde eingebaut. Man nahm was man hatte oder in den Trümmern fand. Stellenweise waren sogar alte Gasrohre eingebaut.

Im Lilien- und Krokusweg gab es kein Wasser, dafür zwei Handpumpen. Eine etwas mühselige Angelegenheit. Diese Sache wurde aber auch gemeistert.

 

In Gemeinschaftsarbeit wurde die Wasserleitung verlegt und in den Gängen Narzissen- und Dahlienweg angeschlossen. Ein toller Erfolg? Ja und nein!

Im Sommer, bei großer Wasserentnahme, kam kaum noch Wasser aus den Hähnen. Viele Rohrbrüche waren an der Tagesordnung.

 

1967 übernahm Herr Rolf Görtz den Vorsitz des Vereins. Unter seiner Führung begannen die Planungen und Initiativen für ein neues Wasserleitungsnetz mit dem Ziel, für jeden Garten einen eigenen Wasserzähler einzurichten.

An jedem Gang wurden neue Eisentore angebracht.

 

Die große Bedrohung für unsere Anlage war der geplante Bau des Fernmeldeturmes Colonius an der Militärringstraße. Dem unermüdlichen Einsatz von Herrn Görtz ist es zu verdanken, dass dieses Unheil von uns abgewendet wurde.

 

Der damalige Vorstand unter Vorsitz von Herrn Goertz, befasste sich 1968 mit einer teilweisen Erneuerung der Wasserleitung. Am 23.11.1968 wurde auf dem Aquarienweg das Teilstück zwischen Lavendel- und Lärchenweg verlegt. Am 09.10.1976 lag die Leitung bereits bis zum Krokus- / Lilienweg.

 

Nach 11-jähriger Amtszeit gab Herr Goertz 1978 den Vorsitz ab und Herr Hauck wurde 1. Vorsitzender.

 

Die Stadt Köln hatte kein Geld. Nach langen Verhandlungen und Planungen kam aber doch die ersehnte Nachricht, es wird gebaut! Es stellte sich auch heraus, dass die in Eigenleistung neu verlegten Teilstücke der Wasserleitung groß genug dimensioniert waren und in das geplante Rohrnetz integriert werden konnten. Die Erneuerung der Wasserleitung wurde nun zügig fortgeführt. Unter Mithilfe aller Kleingärtner wurde ein neues Wasserleitungsnetz verlegt mit Anschluss und Wasserzähler für jeden Garten. In einen Schacht wurden die Anschlüsse für 2 Gärten gelegt.

Im Jahr 1979 war Baubeginn; die Fertigstellung 1980!

 

Über 3 Jahre wurden Sonderumlagen von jedem Kleingärtner hierfür aufgebracht. Die Zeit dazwischen, wie sah sie aus?

Jeder freute sich am Anfang. Mit zunehmender Bauzeit wuchs der Unmut der Kleingärtner. Die Arbeiten gingen nur schleppend voran. Seinen Garten konnte man nur als "Hochtourist" erreichen, vom Weg keine Spur mehr. Auf der einen Seite Rohrgraben, auf der anderen Seite der Erdaushub. Teilweise fielen die Gräben ein. "Eine Mondlandschaft".

 

Nach Fertigstellung der Arbeiten Freude? Nein! Beschädigungen an Zäunen, der Weg bei Regenwetter eine Schlammwüste. Aber Wasser hatte jeder, sogar einen eigenen Wasserzähler.

 

Anschließend wurden die Gänge in den heutigen Zustand versetzt. Ebenfalls wurde eine neue Stromleitung in Eigenleistung verlegt und zwar vom Hermeskeiler Platz bis zum Vereinshaus.

 

Der Außenzaun unserer gesamten Anlage war durch die Jahre so verrostet, dass er in mühseliger Arbeit ganz erneuert wurde.

 

Die ersten Planungen für ein neues Vereinshaus wurden auf der Jahreshauptversammlung 1980 durch Proteste einiger Kleingärtner abgelehnt. Sie befürchteten eine Verschuldung des Vereines auf Jahre hinaus.

Aber der Vorstand entschloss sich mit interessierten Kleingärtnern, Handwerkern und dem Architekten aus unseren Reihen die Planungen und Bauarbeiten zu beginnen

Im ersten Bauabschnitt wurden Vereinshaus, Lager, Büro und Toilette in Angriff genommen. Nach diesem Baubeginn in Eigenleistung und Darlegung der Finanzierung wurde auf der nächsten Hauptversammlung den Baumaßnahmen zugestimmt.

 

Juli 1981 sind die Wege in der Anlage und um die Anlage fertig gestellt, so dass man sauberen und trockenen Fußes in seinen Garten kommt.

 

1989 übernimmt dann der 1. Kassierer, Helmut Breitbach, das Vereinsruder in die Hand. In dieser Zeit wird ein Vereinssaal vom Feinsten erstellt, woran auch viele Fußballer geholfen haben.

 

1993 kehrte dann Herr Hauck noch einmal zurück. Er holte 1998 mit seinem damaligen Vorstand die Silbermedaille im Bundeswettbewerb. Bis 2000 führte er dann noch den Verein. 2001 trat er zurück.

 

Im Jahre 2001 wurde dann Herr Theo Rebschloe 1. Vorsitzender. Er führte das Amt bis 2007.

 

2007 wurde dann Herr Bloeming in das Amt des Vorsitzenden gewählt

 

Dieses sei in Kürze zur Vereinsgeschichte wiedergegeben. Möge die Vereinigung auch weiter als Mitglied des Verbandes der Gartenbauvereine zu Köln e.V. in gemeinsamer Arbeit das Kleingartenwesen fördern und weiter ausbauen zum Wohle aller, die nach Licht, Luft und Sonne streben, denen die vaterländische Scholle noch am Herzen liegt.

 

 

"Die Natur ist das einzige Buch, das auf allen Blättern großen Inhalt bietet!"

 

Goethe

 

 

 

PS: Für diese Chronik zu erstellen habe ich mich sämtlichen Material bedient, die ich irgendwo im Verein gefunden habe oder so aus Erzählungen wusste. Hier möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass Herr Gustav Kramer, Herr Manfred Koch, Herr Hans Dieter Simon so wie Herr Oswald Hauck durch ihre Beiträge in der Chronik mitbeteiligt sind. Sollte ich jetzt jemanden nicht genannt haben, so bitte ich um Entschuldigung.

 

Manfred Bloeming

 

Kletterrose    kletterrose@netcologne.de